Imkern verstehen
Das Imkerjahr
Welche Arbeiten wann anfallen, was im Winter zu tun ist und wie viel Zeit Sie einplanen sollten. Kurz, sachlich und ohne Schönfärberei.
Die Angaben beziehen sich auf die Imkerei mit Magazinbeuten (Zander-Maß) in Nordrhein-Westfalen. Die Zeitangaben sind Erfahrungswerte und schwanken je nach Wetter, Standort und Völkerzahl.
Auf einen Blick
Wie viel Zeit kostet das?
Beispielrechnung für zwei Völker. Das ist die übliche Empfehlung für den Einstieg.
| Zeitraum | Schwerpunkt | Aufwand |
|---|---|---|
| Dezember – Februar | Winterruhe, Material, Weiterbildung | 0,5–1 Std. pro Woche |
| März – April | Erste Durchsicht, Frühjahrsentwicklung | 1–1,5 Std. pro Woche |
| Mai – Juli | Schwarmkontrolle, Honigernte | 2–3 Std. pro Woche |
| August – September | Varroabehandlung, Einfüttern | 1–2 Std. pro Woche |
| Oktober – November | Einwinterung abschließen | 0,5–1 Std. pro Woche |
Faustregel: Mit zwei Völkern kommen Sie auf etwa 50–90 Stunden im Jahr, inklusive Schleudern, Abfüllen und Aufräumen. Das sind im Schnitt 1–1,5 Stunden pro Woche. Im ersten Jahr kommen Kurs und Einarbeitung hinzu.
Pro Volk fällt der Aufwand bei wenigen Völkern höher aus, weil Schleuder, Material und Aufräumen unabhängig von der Völkerzahl anfallen. Zwei Völker bieten außerdem Vergleichsmöglichkeiten und Ausgleich bei Problemen (etwa Brutwaben oder eine Ersatzkönigin aus dem Nachbarvolk), ohne den Zeitrahmen zu sprengen.
Das Jahr in Etappen
Vom Reinigungsflug bis zur Winterruhe
Die Termine bestimmt das Wetter, nicht der Kalender. Die Reihenfolge der Arbeiten bleibt aber jedes Jahr gleich.

Die Bienen ruhen, der Imker nicht ganz
Die Bienen sitzen als Wintertraube zusammen und halten die Mitte des Volkes warm. Die Beute wird jetzt nicht geöffnet.
- Restentmilbung: Sobald die Völker brutfrei sind (meist Ende November bis Dezember), wird mit Oxalsäure gegen Varroamilben behandelt.
- Kontrolle von außen: Fluglöcher frei von Schnee und Totenfall, Mäusegitter intakt, Beuten nach Sturm standfest.
- Werkstatt: Rähmchen bauen und einlöten, Wachs verarbeiten, Zargen und Böden reparieren und streichen, Gläser und Etiketten besorgen.
- Papierkram: Stockkarten und Bestandsbuch führen, Jahresabrechnung, Versicherung und Registrierung prüfen.
- Weiterbildung: Vereinsabende, Kurse und Fachliteratur. Der Winter ist die Lernzeit.
Reinigungsflug und erste Sichtung
- Reinigungsflug abwarten: Bei etwa 10–12 °C und Sonne fliegen die Bienen erstmals aus. Das ist der erste Zeitpunkt, an dem man den Zustand der Völker einschätzen kann.
- Gemüll und Futter prüfen: Boden herausziehen, Beute anheben, um den Futtervorrat zu schätzen. Ist das Volk knapp, wird mit Futterteig nachgeholfen.
- Erste Durchsicht: Frühestens bei etwa 12–15 °C ohne Wind. Geprüft werden Brutnest, Weiselrichtigkeit (Königin vorhanden) und Futter. Sie dauert pro Volk nur wenige Minuten, damit das Brutnest nicht auskühlt.
- Boden reinigen und gegebenenfalls die Fluglöcher wieder öffnen.
Das Volk wächst, die Beute wird erweitert
- Wöchentliche Durchsicht bei passendem Wetter.
- Erweitern: Mit der Obst- und Rapsblüte kommt der Honigraum auf die Beute, bei Bedarf werden Mittelwände ergänzt.
- Drohnenrahmen: Das Ausschneiden verdeckelter Drohnenbrut ist eine Methode zur Varroa-Eindämmung.
- Schwarmtrieb beginnt: Ab Mai müssen die Völker alle 7–9 Tage auf Weiselzellen kontrolliert werden. Das ist der zeitlich anspruchsvollste Teil des Jahres.
Schwarmzeit und Honigernte
- Schwarmkontrolle und Ableger: Wer Schwärme verhindern oder gezielt vermehren will, bildet Ableger. Ein abgegangener Schwarm muss gegebenenfalls eingefangen werden und fällt zeitlich nie passend aus.
- Ernte: Honigwaben werden entnommen, entdeckelt und geschleudert. Der Wassergehalt sollte unter 18 % liegen, sonst gärt der Honig. Das Schleudern selbst dauert pro Durchgang einen halben bis ganzen Tag, Reinigung inklusive.
- Abfüllen und Etikettieren: Honig rühren, in Gläser füllen, kennzeichnen.
- Zwischendurch: Trachtlücken beobachten und bei Futtermangel eingreifen.

Varroabehandlung und Einfüttern
- Varroabehandlung: Direkt nach der letzten Honigernte, in der Regel mit Ameisensäure. Sie ist nicht optional: Ein unbehandeltes Volk überlebt den Winter meist nicht.
- Einfüttern: Zuckerlösung oder Futtersirup, in der Summe oft 12–20 kg je Volk, je nach Vorrat. Ziel sind ausreichende Wintervorräte.
- Räuberei vermeiden: Fluglöcher verengen, nicht kleckern. Wespen und fremde Bienen nutzen jede Schwäche.
- Völker beurteilen: Schwache Völker werden vereinigt, bevor sie den Winter nicht überstehen.
Einwinterung
- Futterkontrolle: Letzte Prüfung der Vorräte durch Wiegen oder Anheben.
- Beuten winterfest machen: Fluglöcher einengen, Mäusegitter einsetzen, Spechtschutz anbringen, Deckel beschweren.
- Wachs, Geräte und Honigernte aufräumen: Material reinigen und trocken einlagern.
- Danach ist am Volk bis zur Winterbehandlung nichts mehr zu tun.
Ehrlich gesagt: Das sollten Sie vorher wissen
- Termine bestimmt das Wetter, nicht der Kalender. Wenn ein Volk Schwarmstimmung zeigt, hilft der Hinweis auf den Familiengeburtstag nicht weiter.
- Mai bis Juli sind zeitlich eng. Urlaub in dieser Zeit muss geplant werden, ebenso eine Vertretung.
- Es ist körperliche Arbeit. Eine volle Honigzarge wiegt je nach Maß 15–25 kg. Bücken und Heben gehören dazu.
- Stiche gehören dazu. Mit guter Technik und Schutzkleidung werden sie selten, ganz ausschließen lassen sie sich nicht. Bei Allergien gegen Insektengift vorab ärztlich abklären.
- Völkerverluste kommen vor. In normalen Jahren überwintern 10–20 % der Völker nicht. In schlechten Jahren sind es mehr, selbst bei sorgfältiger Arbeit. Bei zwei Völkern bedeutet ein Verlust gleich die Hälfte des Bestands.
- Der Honigertrag schwankt stark. Ein guter Standort liefert in einem Jahr 30 kg je Volk, im nächsten fast nichts. Wirtschaftlich ist die Hobbyimkerei meist keine Einnahmequelle, sondern eher ein Zuschuss zur Ausrüstung.
- Formales: Anmeldung beim Veterinäramt, Mitgliedschaft im Imkerverein ist üblich, Haftpflichtversicherung dringend empfohlen, beim Honigverkauf gelten lebensmittelrechtliche Regeln.
Selbsttest
Passt das zu mir?
- Kann ich von Mai bis Juli mehrmals pro Woche einen Zeitslot von ein bis zwei Stunden am Bienenstand einplanen?
- Habe ich im Hochsommer und im Spätsommer Zeit für das Schleudern und die Behandlung, die sich nicht verschieben lassen?
- Bin ich bereit, im Winter Material zu bauen und Fachwissen aufzubauen?
- Habe ich einen geeigneten Standort und Rückhalt von Nachbarn und Familie?
- Kann ich auch mit einem Jahr ohne Ertrag gut leben?
Wer vier von fünf Fragen mit Ja beantwortet, kann sich auf einen Anfängerkurs und zwei Völker einlassen. Bei weniger Ja-Antworten lohnt zunächst ein Praktikum bei einem Imker oder im Imkerverein.
Fragen zum Einstieg? Über die Kontaktseite beantworte ich sie gern.
Weiterlernen
Bücher, Videos und Kurse für Neulinge
Meine Empfehlungen für den Einstieg, von Fachbüchern über Videos bis zu Schulungsmaterial, stehen gesammelt auf einer eigenen Seite.